Kajabi und LearnDash lösen dasselbe Problem auf entgegengesetzte Weise. Kajabi ist ein gemietetes Komplettsystem: Du meldest dich an, lädst Videos hoch und verkaufst. LearnDash ist ein Plugin für WordPress: Du baust den Kurs auf deiner eigenen Website, und alles darum herum liegt bei dir.
Welcher Weg besser ist, hängt weniger von den Funktionen ab als von deiner Situation. Hast du schon eine WordPress-Seite? Wie viel Technik willst du anfassen? Und wer soll sich um Umsatzsteuer und Zahlungen kümmern? Hier die Antworten, soweit die Herstellerseiten sie hergeben, mit einer Empfehlung am Ende.
Kurz zur Quelle: Preise und Funktionen stammen von den Seiten der Hersteller, Stand Oktober 2026. Ich habe beide Systeme nicht selbst im Alltag betrieben, das hier ist ein Vergleich der Herstellerangaben. Beträge sind US-Dollar, in Euro und mit Mehrwertsteuer kann es anders aussehen.
Der Grundunterschied: mieten oder selbst betreiben
| Kajabi | LearnDash | |
|---|---|---|
| Art | gehostete Plattform | WordPress-Plugin |
| Preis | Basic 179, Growth 249, Pro 499 US-Dollar pro Monat (bei Jahreszahlung 143 / 199 / 399) | 350 US-Dollar pro Jahr für eine Website, 599 US-Dollar für zehn |
| Hosting, Updates, Backups | erledigt Kajabi | du oder dein Hoster |
| Zahlung | Kajabi Payments oder Drittanbieter | Stripe und PayPal eingebaut, weitere über WooCommerce |
| Design | Vorlagen im System | jedes WordPress-Theme und jeder Page Builder |
| E-Mail-Marketing | eingebaut | separates Tool nötig |
Der Preis täuscht in beide Richtungen. LearnDash wirkt billig, aber Hosting, E-Mail-Tool und Zusatzplugins kommen dazu. Kajabi wirkt teuer, liefert aber mehr mit. Eine einfache Rechnung hilft: Kajabi Basic kostet bei Jahreszahlung 1.716 US-Dollar im Jahr (12 mal 143), bei monatlicher Zahlung 2.148. LearnDash liegt bei 350 US-Dollar im Jahr, dazu kommt das, was du ohnehin für die Website zahlst. Der Abstand ist groß genug, dass du den Unterschied in Arbeitszeit aufwiegen kannst, wenn du sie ehrlich schätzt.
Kajabi: Was du bekommst
Kajabi bündelt Kurse, Verkaufsseiten, Funnels, E-Mails und Community. Der Basic-Tarif enthält fünf Produkte, 2.500 Kontakte, eine Website, eine Community und zwei Admin-Zugänge. Im Growth-Tarif sind es 50 Produkte und 25.000 Kontakte, im Pro-Tarif unbegrenzt viele Produkte und 100.000 Kontakte. Landingpages, Funnels und Marketing-E-Mails sind laut Preisseite ohne Mengengrenze dabei.
Kajabi schreibt „No revenue sharing“, es gibt also keinen Umsatzanteil. Bei Zahlungen über Drittanbieter wie Stripe berechnet Kajabi aber je nach Tarif 2 %, 1 % oder 0,5 % zusätzlich, nicht aber bei PayPal. Wer Kajabi Payments nutzt, zahlt dessen Gebühren. Laut Hilfeseite steht Kajabi Payments auch Unternehmen mit Sitz in Deutschland zur Verfügung.
LearnDash: Was du bekommst
LearnDash liefert Kursstruktur mit Lektionen und Themen, Quizze mit acht Fragetypen, Aufgaben, Zertifikate, Berichte und Mitgliedschaften. Der Hersteller nennt 100.000 aktive Installationen und bietet Gruppenverkäufe an, bei denen eine Firma mehrere Plätze kauft. Mehrere Dozenten können Kurse im Frontend pflegen. Zur Lizenz gehören laut Preisseite aktuell auch die Plugins The Events Calendar, Give und das Kadence-Paket.
Die Bezahlung läuft über Stripe und PayPal, die LearnDash direkt unterstützt. Für andere Zahlungsarten gibt es eine WooCommerce-Anbindung. Dort stellst du auch Umsatzsteuer und Rechnungen ein, was Know-how erfordert.
Was in Deutschland den Ausschlag geben kann
Umsatzsteuer
Verkaufst du digitale Kurse an Privatkunden in der EU, richtet sich die Umsatzsteuer ab 10.000 Euro Jahresumsatz im EU-Ausland nach dem Land des Kunden, gemeldet über das OSS-Verfahren (Bundeszentralamt für Steuern). Bei LearnDash bist du dafür allein zuständig, die Steuersätze pflegst du im Shop-System und meldest selbst. Kajabi bietet eine Funktion „Kajabi Sales Tax“, die Steuern prüft, berechnet und erfasst, und berechnet dafür pro Transaktion eine Gebühr. Ob damit auch die Meldung abgenommen ist, sagt die Hilfeseite nicht. Frag nach, bevor du dich darauf verlässt.
Datenschutz
Auf deinem eigenen WordPress liegen Kundendaten dort, wo du es entscheidest, etwa bei einem deutschen Hoster. Du brauchst dann einen Vertrag mit dem Hoster und sorgst selbst für Datenschutzerklärung und Einwilligungen. Bei Kajabi schließt du einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter und klärst, wo die Daten liegen.
Deutsche Oberfläche
Kajabi übersetzt per Spracheinstellung nur automatisch erzeugte Texte wie Checkout und Kundenkonto auf Deutsch, eigene Texte übersetzt du selbst. Bei LearnDash entscheidest du dank WordPress-Übersetzungen und eigenen Texten selbst, wie deutsch das Ergebnis ist. Dafür hängt vieles von deinem Theme und den Zusatzplugins ab.
Wo der Aufwand liegt
- Kajabi: Du lernst ein System, das fertig ist. Dafür bist du an Tarifgrenzen und Preise gebunden.
- LearnDash: Du kümmerst dich um Hosting, Backups, Updates und darum, dass Plugins sich vertragen. Ein Konflikt nach einem Update kann deinen Kursbereich lahmlegen. Plane Zeit oder Budget dafür ein.
Meine Empfehlung
- Nimm LearnDash, wenn du schon eine WordPress-Seite betreibst, Spaß an Technik hast oder jemanden, der sie pflegt, und deinen Kursbereich in dein bestehendes Design einbauen willst. Gerade bei mehreren Kursen und wenig Marketing-Bedarf ist es günstig.
- Nimm Kajabi, wenn du kein WordPress hast oder keins pflegen willst, und Kurse, E-Mail und Verkaufsseiten aus einer Hand wünschst. Der Preis ist deutlich höher, dafür sparst du Technikarbeit.
- Wenn du dich nicht entscheiden kannst: Starte nicht mit dem teuersten Weg. Mit einem kostenlosen WordPress-Kursplugin oder einer günstigen Plattform bekommst du ein Gefühl für den Betrieb, bevor du dich festlegst.
Häufige Fragen
Kann ich Kajabi später gegen LearnDash tauschen?
Technisch ja, aber Videos, Kundenlisten und Zugänge musst du selbst umziehen. Plane den Wechsel früh, solange wenig Kunden betroffen sind.
Brauche ich bei LearnDash noch ein E-Mail-Tool?
Ja. Newsletter und Automationen sind nicht Teil des Plugins, bei Kajabi schon.
Was kostet LearnDash wirklich?
350 US-Dollar pro Jahr für die Lizenz einer Website. Dazu kommen Hosting und je nach Aufbau Zusatzplugins, Zahlungsgebühren und ein E-Mail-Tool.