Ein grüner Hintergrund, eine Person davor, und im Video steht sie plötzlich am Strand, im Studio oder neben deinen Folien. Das Prinzip heißt Chroma Key, und die Software dafür bekommst du heute oft kostenlos. Schwierig ist weniger das Programm als der Dreh davor.
Hier findest du fünf Möglichkeiten für Live-Streams und für den Videoschnitt, dazu Tipps, wie das Freistellen sauber wird. Die Angaben zu Funktionen und Preisen stammen von den Herstellerseiten und Hilfeseiten, nicht aus eigenen Tests. Stand: Oktober 2026.
So funktioniert Chroma Key in zwei Sätzen
Die Software sucht eine bestimmte Farbe im Bild, meist Grün, und macht sie durchsichtig. Alles dahinter, ein Bild oder ein Video, scheint dann durch. Je gleichmäßiger der Hintergrund, desto besser klappt das.
Die Programme im Überblick
| Programm | Systeme | Kosten | Gut für |
|---|---|---|---|
| OBS Studio | Windows, Mac, Linux | kostenlos | Live-Streams und Aufnahmen |
| Shotcut | Windows, Mac, Linux | kostenlos | einfacher Schnitt mit Greenscreen |
| DaVinci Resolve | Windows, Mac, Linux | kostenlose Version, Studio kostenpflichtig | anspruchsvolle Videos |
| Final Cut Pro | Mac | 349,99 € einmalig oder im Abo | Mac-Nutzer im Videoschnitt |
| Premiere Pro | Windows, Mac | Abo, Preis bei Adobe | wer ohnehin Adobe nutzt |
OBS Studio: Greenscreen live
Wenn du streamst oder Videokonferenzen mit eigenem Hintergrund aufnimmst, ist OBS Studio die erste Wahl. Die Software ist kostenlos und aktuell: Version 33.0.0 erschien am 23. Oktober 2026. Den Chroma-Key-Filter hängst du an deine Webcam-Quelle.
Laut OBS-Hilfeseite hat der Filter vier Einstellungen:
- Key Color Type: die Farbe, die verschwinden soll, standardmäßig Grün, wahlweise eine eigene Farbe.
- Similarity: wie ähnlich ein Pixel der Farbe sein muss, damit er entfernt wird. Zu hoch, und Teile von dir verschwinden mit. Standard ist 400.
- Smoothness: wie weich die Kanten werden. Standard ist 80.
- Key Color Spill Reduction: entfernt grüne Ränder, etwa an Haaren. Standard ist 100.
Mein Rat: Fang mit den Standardwerten an und ändere immer nur einen Regler. Meist reichen kleine Schritte bei „Similarity“.
Shotcut: der einfachste kostenlose Schnitt
Shotcut ist ein freier Videoeditor für Windows, Mac und Linux, aktuell in Version 26.9. Für den Greenscreen gibt es den Filter „Chroma Key: Simple“. Du wählst die Hintergrundfarbe mit der Pipette und stellst über „Distance“ ein, wie viele ähnliche Töne entfernt werden. Dein Greenscreen-Clip muss auf einer Spur über dem Hintergrund liegen, sonst passiert nichts. Das ist die häufigste Stolperfalle in den Hilfeforen.
Grüne Ränder lassen sich mit dem Filter „Key Spill: Simple“ mildern, den du nach dem Chroma-Key-Filter anwendest. Für Erklärvideos oder Vlogs reicht das völlig.
DaVinci Resolve: viel Programm, auch kostenlos
DaVinci Resolve von Blackmagic läuft auf Mac, Windows und Linux, derzeit in Version 21. Es gibt eine kostenlose Version. Die Studio-Version kostet auf der Herstellerseite aktuell 236 US-Dollar statt 295 US-Dollar, ob das Angebot noch läuft, siehst du dort. Für Keying nennt Blackmagic Werkzeuge im Bereich Fusion, der für Compositing gedacht ist.
Resolve lohnt sich, wenn du mehr willst als einen Hintergrund tauschen, zum Beispiel Farbkorrektur und Ton im selben Programm. Dafür ist die Einarbeitung länger als bei Shotcut.
Final Cut Pro: für Mac-Nutzer
Apple verlangt in Deutschland 349,99 Euro für den Einmalkauf. Alternativ gibt es das Abo „Apple Creator Studio“ für 12,99 Euro im Monat oder 129 Euro im Jahr, mit 30 Tagen Probezeit. Final Cut Pro hat zudem eine „Magnetic Mask“, die Personen ohne Greenscreen vom Hintergrund trennt. Den klassischen Chroma-Key-Effekt nennt Apple bei Motion, dem Zusatzprogramm für Effekte.
Premiere Pro: der Adobe-Weg
In Premiere Pro heißt der Effekt „Ultra Key“. Laut Adobe-Hilfe wählst du die Hintergrundfarbe mit einer Pipette und feinst das Ergebnis unter „Matte Generation“ nach. Premiere gibt es nur im Abo. Den aktuellen Preis nenne ich hier nicht, weil sich die Tarife häufiger ändern und ich keinen verlässlichen deutschen Preis belegen konnte. Schau auf adobe.com/de nach.
Live oder im Schnitt: was passt zu dir?
Bevor du ein Programm wählst, klär eine Frage: Soll der Hintergrund schon während der Aufnahme getauscht werden, oder reicht es, wenn du ihn später im Schnitt ersetzt? Live brauchst du OBS oder ein ähnliches Streaming-Programm, und dein Rechner muss das Freistellen in Echtzeit schaffen. Im Schnitt hast du Zeit: Du kannst Regler in Ruhe nachziehen, die Vorschau zurückspulen und es noch mal versuchen.
Ich würde Anfängern zum Schnitt raten. Du siehst Fehler sofort, und ein misslungener Dreh lässt sich leichter retten als ein verpatzter Live-Auftritt. Wer später live gehen will, übt das Freistellen vorher in OBS mit einer Aufnahme.
Noch ein Wort zur Ausrüstung: Ein Greenscreen-Stoff oder eine Greenscreen-Platte kostet nicht viel, eine gute Beleuchtung mehr. Wenn das Budget knapp ist, spar nicht am Licht, sondern an der Software. Die ist, wie du oben gesehen hast, ohnehin oft kostenlos.
Damit der Greenscreen sauber wird
Die beste Software rettet keinen schlechten Dreh. Diese Punkte bringen mehr als jeder Regler:
- Glatter Hintergrund: Falten und Knicke werfen Schatten, die die Software als anderen Farbton sieht. Spann den Stoff oder nimm eine Wand.
- Gleichmäßiges Licht: Leuchte den Hintergrund separat aus, damit er überall gleich hell ist.
- Abstand zum Hintergrund: Steh ein paar Schritte davor, damit kein grünes Licht auf dich fällt.
- Keine grüne Kleidung: Klingt banal, passiert aber oft. Ein grünes Hemd wird mit weggestanzt.
- Scharfes Bild: Rauschen und starke Kompression machen die Kanten unruhig. Mehr Licht hilft mehr als mehr Software.
Häufige Fragen
Muss der Hintergrund grün sein?
Nein. Blau funktioniert genauso, die Software entfernt jede Farbe, die du auswählst. Grün ist üblich, weil es selten in Haut und Haaren vorkommt.
Geht das auch ohne Greenscreen?
Teilweise. Final Cut Pro bietet eine Magnetic Mask, die Personen ohne Greenscreen freistellt. Bei einem echten Greenscreen bleiben Kanten und Haare aber meist sauberer.
Welche Software ist die beste für Anfänger?
Für Live-Streams OBS Studio, für fertige Videos Shotcut. Beide sind kostenlos.
Fazit
Streamst du, nimm OBS. Schneidest du Videos und willst nicht lange lernen, nimm Shotcut. Wächst dein Anspruch, ist DaVinci Resolve die kostenlose Reserve. Final Cut Pro und Premiere Pro lohnen sich vor allem, wenn du sie ohnehin nutzt. Und denk daran: Ein gutes Licht und ein glatter Stoff sparen dir mehr Zeit als jede Einstellung.