Du willst auf Twitch streamen und fragst dich, mit welchem Programm? Die gute Nachricht: Die beste Auswahl kostet nichts. Die schlechte: Wer sucht, stolpert über viele Namen, und einer davon, Twitch Studio, ist gar nicht mehr zu empfehlen.
Hier bekommst du fünf Programme, die es aktuell gibt und die gepflegt werden. Dazu sage ich dir, für wen welches taugt und was es kostet. Ich beschreibe die Funktionen nach den Herstellerseiten, getestet habe ich sie nicht alle selbst.
Stand: Oktober 2026. Preise sind die Angaben der Hersteller in US-Dollar, Änderungen bleiben vorbehalten.
Vorab: Twitch Studio ist Geschichte
Twitch hatte eine eigene Streaming-Software. Der Support dafür endete nach dem 30. Mai 2024, Twitch wollte die Ressourcen anderswo einsetzen. Alte Installationen laufen vielleicht noch, bekommen aber keine Updates mehr. Twitch nannte damals selbst Alternativen: OBS, Streamlabs Desktop, XSplit, vMix, Elgato Game Capture und Lightstream. Genau diese Richtung schauen wir uns an.
Die fünf im Überblick
| Programm | Systeme | Kosten | Für wen |
|---|---|---|---|
| OBS Studio | Windows, Mac, Linux | kostenlos, Open Source | fast alle, vor allem Einsteiger mit Lernwillen |
| Streamlabs Desktop | Windows, Mac | kostenlos, Ultra ab 15,75 $/Monat (jährlich) | wer fertige Designs und Alerts will |
| Meld Studio | Windows, Apple-Silicon-Mac | kostenlos | wer einfach starten will, auch auf mehreren Plattformen |
| XSplit Broadcaster | nur Windows | Gratisversion, ab 59,99 $/Jahr | wer eine aufgeräumte Bezahl-Oberfläche mag |
| vMix | nur Windows | ab 60 $ einmalig | Livesendungen mit mehreren Kameras |
OBS Studio: der Standard
OBS Studio ist freie Software, läuft unter Windows, Mac und Linux und kostet nichts, auch nicht für Zusatzfunktionen. Laut Herstellerseite ist Version 33.0.0 am 23. Oktober 2026 erschienen, die Software wird also aktiv weiterentwickelt.
Du baust Szenen aus Quellen zusammen: Spielfenster, Webcam, Bilder, Text, Browserfenster. Dazu gibt es einen Audiomixer mit Filtern wie Rauschunterdrückung, ein Studio-Modus zum Vorbereiten von Szenen und Hotkeys fürs Umschalten. Wer mehr will, erweitert OBS mit Plugins oder Skripten in Lua und Python.
Der Preis dafür ist die Oberfläche. Sie ist funktional, aber nüchtern, und Alerts oder Chat-Overlays richtest du über Zusatzdienste selbst ein. Dafür findest du zu OBS so viele Anleitungen wie zu keinem anderen Programm.
Meine Empfehlung für die meisten: Fang mit OBS an. Du lernst, wie Streaming grundsätzlich funktioniert, und hängst an keinem Anbieter fest.
Streamlabs Desktop: fertig eingerichtet, aber mit Bezahlschranke
Streamlabs Desktop läuft unter Windows und Mac und bringt Overlays, Alerts und Chat-Funktionen gleich mit. Das spart Einrichtungszeit. Die kostenlose Version beschränkt dich laut Preisseite auf zwei Ziele beim Multistreaming und die kostenlosen Designs. Ultra schaltet unter anderem alle über 1.000 Designs, mehr Ziele, bis zu elf Gäste oder Kameras und 10 GB Speicher frei.
Den Einstiegspreis nennt Streamlabs mit 15,75 US-Dollar pro Monat bei jährlicher Zahlung, monatlich zahlst du laut den Angaben auf der Ultra-Seite 27 US-Dollar. Die Preise ändern sich gelegentlich, schau vor dem Kauf auf die Herstellerseite.
Mein Rat: Probier die kostenlose Version. Wenn du dir bei jedem Design denkst „das möchte ich haben“, rechne durch, ob Ultra den Preis wert ist.
Meld Studio: der junge Herausforderer
Meld Studio ist ein Streaming- und Aufnahmeprogramm für Windows (mit DirectX 12) und für Macs mit Apple-Silicon-Chip. Der Hersteller schreibt, die Software sei komplett kostenlos, ohne Wasserzeichen und ohne Zeitlimit.
Interessant ist, was eingebaut ist: Chat, Alerts und Widgets, ein Stream-Manager für Titel und Kategorie, und Multistreaming zu Twitch, YouTube, Kick, TikTok Live, Facebook Live oder einem eigenen RTMP-Ziel. Mit „Multi Canvas“ schickst du verschiedene Layouts an verschiedene Plattformen, zum Beispiel quer zu Twitch und hochkant zu TikTok.
Weil das Programm jünger ist, gibt es weniger Anleitungen und Plugins als bei OBS. Für den Start ist es trotzdem eine ernsthafte Option, besonders auf dem Mac.
XSplit Broadcaster: Windows und Abo
XSplit gibt es nur für Windows 10 und 11 (64 Bit). Die Gratisversion streamt bis 720p ohne Wasserzeichen, darüber blendet sie ein kleines Logo ein. Bezahlt zahlst du 14,99 US-Dollar im Monat, 59,99 im Jahr oder einmalig 119,99 als Lifetime-Lizenz.
XSplit unterstützt laut Hersteller Twitchs „Enhanced Broadcasting“ (als Beta), bei dem du mehrere Qualitätsstufen direkt von deinem Rechner an Twitch schickst. Dafür brauchst du einen passenden NVIDIA-Chip. Das geht inzwischen aber auch mit OBS, ein Alleinstellungsmerkmal ist es also nicht mehr.
vMix: wenn es eine kleine Fernsehregie sein soll
vMix richtet sich an Produktionen mit mehreren Kameras, Zuspielern und Gästen, etwa bei Events oder Turnieren. Es läuft nur unter Windows. Auf dem Mac geht es laut vMix-Hilfe nur über Boot Camp auf älteren Intel-Macs, auf Apple-Silicon-Geräten gar nicht.
Die Lizenzen gibt es einmalig: Basic HD für 60 US-Dollar, HD für 350, 4K für 700 und Pro für 1.200 US-Dollar. Daneben läuft ein Abo „MAX“ für 50 US-Dollar im Monat. 60 Tage kannst du kostenlos testen. Für einen einzelnen Spieler mit Webcam ist das übertrieben.
Was ist mit Lightstream und Elgato?
Lightstream läuft im Browser, Elgato Game Capture gehört zur Elgato-Hardware. Beide nannte Twitch als Alternative zu Twitch Studio. Ich habe sie hier nicht aufgenommen, weil ich zu aktuellen Preisen und Versionen keine belastbaren Herstellerangaben prüfen konnte. Ein Blick auf die jeweiligen Herstellerseiten lohnt sich, wenn du schon eine Elgato-Capture-Karte hast.
Worauf du bei der Wahl achten solltest
- Dein Rechner: Streamen und gleichzeitig spielen kostet Leistung. Ein aktueller Grafikchip mit eigenem Video-Encoder (NVENC bei NVIDIA) entlastet den Prozessor spürbar.
- Dein System: XSplit und vMix gibt es nur für Windows. Wer auf Mac oder Linux streamt, landet bei OBS, Streamlabs oder Meld.
- Mehrere Plattformen: Wenn du parallel auf YouTube oder Kick sendest, schau, ob das Programm Multistreaming schon kostenlos mitbringt.
- Dein Geduldsfaden: Fertige Pakete sparen Zeit, offene Werkzeuge wie OBS geben dir mehr Freiheit.
Häufige Fragen
Reicht kostenlose Software für Twitch?
Ja. OBS Studio und Meld Studio kosten nichts und streamen ohne Wasserzeichen. Bezahlen musst du nur, wenn dir ein Zusatz fehlt.
Funktioniert Twitch Studio noch?
Der Support ist seit Mai 2024 eingestellt. Eine vorhandene Installation läuft womöglich noch, Updates und Fehlerbehebungen kommen aber nicht mehr. Wechsle lieber.
Welche Software nutzen die meisten?
Eine belastbare Zahl dazu habe ich nicht gefunden, deshalb nenne ich keine. Sicher ist: OBS ist die Basis vieler anderer Programme und der Standard, auf den sich die meisten Anleitungen beziehen.
Fazit
Starte mit OBS Studio, wenn du Lust aufs Basteln hast, oder mit Meld Studio, wenn es schnell gehen soll. Streamlabs ist sinnvoll, wenn du fertige Designs willst. XSplit und vMix brauchst du erst, wenn du auf Windows streamst und genau deren Funktionen vermisst. Viel wichtiger als das Programm sind übrigens Ton, Licht und ein stabiles Internet.