„OTT“ steht für „Over the Top“ und meint Video, das übers Internet kommt statt über Kabel oder Antenne. Netflix ist das bekannteste Beispiel. In diesem Artikel geht es aber nicht um Netflix, sondern um dich als Anbieter: Du hast Videos, Kurse oder Live-Übertragungen und willst sie auf einer eigenen Plattform verkaufen, mit eigenem Namen, Zahlungen und möglichst auch Apps.
Fünf Anbieter, die dafür infrage kommen, vergleiche ich hier nach Preis und Zielgruppe. Die Angaben stammen von den Preisseiten der Hersteller, Stand: Oktober 2026, und sind US-Dollar-Preise. Eigene Tests gab es nicht, und einige Preisseiten widersprechen sich selbst, wo das so ist, steht es dabei.
Brauchst du überhaupt eine eigene Plattform?
Bevor du monatlich dreistellig zahlst, überleg kurz: Reicht dir YouTube mit einer Mitgliedschaft, ein Kurs auf einer Lernplattform oder eine geschützte Seite auf deiner WordPress-Website? Eine eigene OTT-Plattform lohnt sich, wenn du
- ein Abo oder Einzelverkäufe für Videos anbieten willst,
- unter eigener Marke auftreten und die Kundendaten selbst behalten möchtest,
- Apps für Handy oder Fernseher brauchst oder
- Live-Übertragungen bezahlpflichtig machen willst.
Brauchst du nichts davon, spar dir das Geld.
Die Anbieter im Überblick
| Anbieter | Preis ab | Besonders gut für |
|---|---|---|
| Uscreen | 49 $/Monat | Creator, Coaches und Kursanbieter mit Abo |
| Dacast | 39 $/Monat (Jahreszahlung) | Live-Streams und Events |
| Vimeo OTT (Vimeo Streaming) | Preis auf der Herstellerseite | Einstieg ohne feste Grundgebühr |
| Muvi One | 399 $/Monat (Jahreszahlung) | größere Angebote mit Apps und Kopierschutz |
| JW Player | nur auf Anfrage | Medienunternehmen mit viel Volumen |
Uscreen: der Allrounder für Creator
Uscreen richtet sich an Anbieter von Mitgliedschaften, etwa Fitnesstrainer oder Kursersteller. Es gibt vier Stufen:
- Starter für 49 US-Dollar im Monat, bis 100 Abonnenten, mit einer Adresse von Uscreen.
- Growth für 149 US-Dollar im Monat plus 1,99 US-Dollar je Abonnent, mit eigener Domain und ohne Abonnenten-Limit.
- App Essentials für 449 US-Dollar im Monat plus 0,99 US-Dollar je Abonnent, mit je einer App für iOS und Android.
- Custom auf Anfrage, mit fünf TV-Apps, API-Zugang und eigenem Ansprechpartner.
Die Zahlungen laufen über Stripe und PayPal. Rechne mit den Gebühren: Laut Preisrechner auf der Seite kommen bei 200 zahlenden Mitgliedern etwa 547 US-Dollar im Monat für Growth zusammen. Das ist der Teil, den man gern übersieht.
Dacast: wenn Live im Mittelpunkt steht
Dacast liegt im Einstieg am günstigsten. Bei Jahreszahlung kosten die Pläne pro Monat 39 US-Dollar (Starter), 63 US-Dollar (Event) und 165 US-Dollar (Scale). Dazu kommt ein Volumen: Starter enthält 2,4 TB Datenübertragung im Jahr und 500 GB Speicher. Wer mehr braucht, zahlt 0,30 US-Dollar je zusätzlichem GB Datenübertragung. Ab dem Event-Plan gibt es unter anderem Zeitplanung und eine Bezahlschranke, Kopierschutz (DRM) erst im Scale-Plan.
Monatliche Zahlung ist möglich, verlangt aber drei Monate im Voraus. Es gibt 14 Tage zum Testen, ohne Kreditkarte. Beachte: Die Preisseite zeigt in einer Vergleichstabelle andere Beträge (29, 99 und 199 US-Dollar) als bei den Plänen. Prüfe den Preis vor dem Abschluss.
Vimeo OTT: Einstieg ohne Grundgebühr?
Vimeo OTT, heute auch „Vimeo Streaming“ genannt, wird laut der Herstellerseite weiterhin angeboten. Das Modell heißt „pay-as-you-go“: keine Einrichtungskosten, keine Bandbreitengebühren und ein kostenloser Start. Monetarisieren kannst du per Abo, Einzelkauf, Werbung oder kostenlos.
Konkrete Preise fand ich auf der Seite nicht, sie stehen auf einer separaten Preisseite. Lies dort genau nach, wie sich die Kosten zusammensetzen, und rechne durch, was bei deinem erwarteten Umsatz übrig bleibt.
Muvi One: Apps und Kopierschutz inklusive
Muvi spielt in einer anderen Liga. Bei Jahreszahlung kostet der Video-Plan Standard 399 US-Dollar pro Monat, Professional 1.499 und Enterprise 3.900 US-Dollar. Im Standard-Plan sind Website, mobile Apps und DRM enthalten. Professional ergänzt TV- und Desktop-Apps. Weitere Apps kosten extra, 299 bis 499 US-Dollar pro App und Monat.
Auch hier weicht eine Vergleichstabelle der Preisseite leicht von den Haupt-Preisen ab. Das ist ein Angebot für Firmen, die mit der Plattform wirklich Geld verdienen. Für ein kleines Kursangebot ist es zu viel.
JW Player: für große Mengen
JW Player kennst du vielleicht als Video-Player auf Nachrichtenseiten. Die Plattform bietet laut Preisseite drei Pakete (Express, Publishing und Broadcasting), die sich nach verwalteten Stunden und ausgelieferten Datenmengen richten. Preise nennt der Anbieter nur auf Anfrage. DRM mit FairPlay, Widevine und PlayReady gehört zu den Funktionen, braucht aber eine Lizenz. Das ist nichts für den Einstieg, sondern für Medienhäuser und größere Projekte.
Eine Beispielrechnung
Damit die Zahlen greifbar werden: Angenommen, du willst 200 zahlende Mitglieder bei Uscreen betreuen. Der Starter-Plan fällt wegen der Grenze von 100 Abonnenten weg. Im Growth-Plan zahlst du 149 US-Dollar Grundgebühr plus 1,99 US-Dollar mal 200, also 547 US-Dollar im Monat. Mit eigenen Apps (App Essentials) sind es 449 plus 0,99 mal 200, also 647 US-Dollar.
Verlangst du von jedem Mitglied 15 Euro im Monat, bleiben dir bei 200 Mitgliedern 3.000 Euro Umsatz, bevor Steuern und Zahlungsgebühren abgehen. Die Plattform kostet dann ungefähr ein Fünftel davon. Das ist vertretbar, aber nur, wenn du die 200 Mitglieder auch wirklich hast. Mit zwanzig Mitgliedern sieht dieselbe Rechnung ganz anders aus. Plane deshalb vorsichtig und starte klein.
Zur Einordnung: Die Rechnung ist nur ein Beispiel mit angenommenen Mitgliederzahlen und Preisen, keine Prognose. Wechselkurse und Umsatzsteuer sind nicht eingerechnet.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
- Die Gesamtkosten, nicht den Einstiegspreis: Pro-Abonnent-Gebühren, Datenvolumen und Zusatz-Apps summieren sich.
- Laufzeit: Viele Preise gelten nur bei Jahreszahlung. Die Monatszahlung ist oft teurer oder verlangt Vorauszahlung.
- Zahlungswege: Du willst die Zahlungsarten anbieten, die deine Kunden nutzen. Uscreen nennt Stripe und PayPal.
- Datenschutz und Recht: Hol dir Verträge zur Auftragsverarbeitung. Bei Kunden aus der EU gelten DSGVO und Verbraucherrecht, das ist keine Rechtsberatung.
- Ausstieg: Frag vorher, ob du deine Videos und Kundendaten wieder exportieren kannst.
Häufige Fragen
Was bedeutet OTT?
„Over the Top“. Video wird übers Internet ausgeliefert, ohne klassischen Kabel- oder Satellitenanbieter dazwischen.
Was ist am günstigsten?
Bei den Listenpreisen liegt Dacast Starter mit 39 US-Dollar im Monat (Jahreszahlung) vor Uscreen Starter mit 49 US-Dollar. Beide haben Grenzen bei Abonnenten beziehungsweise Daten. Vimeo OTT nennt keinen Grundpreis.
Kann ich das auch mit WordPress lösen?
Für kleinere Angebote ja, mit einer geschützten Mitgliederseite und einem Video-Hoster. Eigene Apps und Live-Bezahlstreams bekommst du so aber nicht.
Fazit
Für den Einstieg als Creator würde ich bei Uscreen oder Dacast anfangen, je nachdem, ob du Abos oder Live-Events verkaufen willst. Wer erst testen möchte, sieht sich Vimeo OTT an und rechnet die Umsatzbeteiligung nach. Muvi und JW Player lohnen sich erst, wenn du Apps für Fernseher, Kopierschutz und größere Mengen brauchst. Nimm dir den Probemonat oder die Testphase und rechne vorher durch, was bei deinem erwarteten Umsatz am Ende übrig bleibt.