Du hast Wissen, das andere bezahlen würden, und willst daraus einen Onlinekurs machen. Dann kommt die Frage, an der viele hängen bleiben: Auf welcher Plattform soll der Kurs laufen? Die Auswahl ist groß, die Preisseiten sind verwirrend, und fast jeder Anbieter verspricht „alles in einem“.
Ich sortiere die Anbieter hier nicht nach Sternen, sondern nach Typ: Komplettplattform, WordPress-Plugin oder Verkaufsplattform mit Steuerabwicklung. Dazu kommt, was für dich als Anbieter in Deutschland zählt: Umsatzsteuer, deutsche Oberfläche, Zahlungsarten und Datenschutz. Am Ende steht eine klare Empfehlung, für wen was passt.
Kurz zur Quelle: Preise und Funktionen stammen von den Seiten der Hersteller, Plugin-Zahlen von wordpress.org. Stand ist Oktober 2026. Ich habe die Plattformen nicht selbst als Kursersteller betrieben. Das hier ist eine Auswertung der Herstellerangaben, kein Praxistest.
Drei Wege, einen Kurs zu verkaufen
Bevor du Preise vergleichst, entscheide den Typ. Das sortiert die Liste schneller als jede Funktionstabelle.
- Komplettplattform (gehostet): Du mietest ein System, das Videos, Zugang, Bezahlung und meist auch E-Mail und Verkaufsseiten liefert. Kajabi, Teachable, Thinkific, Podia und systeme.io gehören hierher. Wenig Technik, dafür laufende Gebühren und weniger Kontrolle.
- WordPress-Plugin: Der Kurs läuft auf deiner eigenen Website. LearnDash, LifterLMS, Tutor LMS und Sensei sind die bekanntesten. Du hast die Kontrolle über Design und Daten, kümmerst dich aber selbst um Hosting, Updates und Bezahlung.
- Verkaufs- und Abrechnungsplattform: CopeCart, Digistore24 und ablefy (früher elopage) liegen im deutschen Markt und nehmen dir Bezahlung und Rechnungsstellung ab. Sie sind kein Ersatz für ein Kursportal, lassen sich aber mit einem verbinden.
Was in Deutschland zusätzlich zählt
Die meisten Vergleiche stammen aus den USA und blenden aus, was hier Ärger macht. Vier Punkte solltest du vor der Entscheidung prüfen.
- Umsatzsteuer: Verkaufst du digitale Kurse an Privatkunden in anderen EU-Ländern, richtet sich die Umsatzsteuer ab einer Schwelle von 10.000 Euro Jahresumsatz im EU-Ausland nach dem Land des Kunden. Die Meldung läuft über das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS beim Bundeszentralamt für Steuern). Manche Plattformen übernehmen das als „Merchant of Record“ für dich, bei anderen bist du selbst verantwortlich. Das ist ein echter Unterschied im Alltag.
- Widerruf: Bei digitalen Inhalten kann das Widerrufsrecht unter bestimmten Bedingungen erlöschen, zum Beispiel wenn der Kunde ausdrücklich zustimmt und seine Kenntnis davon bestätigt (§ 356 BGB). Dein Checkout muss das sauber abbilden. Frag, ob die Plattform dafür Felder oder Textbausteine bietet.
- Deutsche Oberfläche: Für deine Kunden zählt, ob Checkout, Login und Kurs-Player auf Deutsch laufen. Die Bedienung für dich selbst ist oft englisch.
- Datenschutz: Bei Anbietern aus den USA brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag und eine saubere Datenschutzerklärung. Bei deinem eigenen WordPress liegen die Daten bei deinem Hoster, dafür bist du für alles selbst zuständig.
Ein weiterer Punkt betrifft vor allem Coaching- und Mentoring-Programme: Der Bundesgerichtshof hat im Juni 2025 (III ZR 109/24) entschieden, dass ein bezahltes Online-Mentoring unter das Fernunterrichtsschutzgesetz fallen kann. Ohne Zulassung wäre der Vertrag dann nichtig. Wenn dein Angebot mehr ist als Videos zum Anschauen, sprich vorher mit einem Anwalt. Das ist keine Rechtsberatung, sondern ein Hinweis, die Frage zu stellen.
Die Plattformen im Überblick
| Anbieter | Typ | Preis (Stand Oktober 2026) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Kajabi | Komplettplattform | ab 179 US-Dollar pro Monat (bei Jahreszahlung 143) | Kurse, E-Mail, Website, Community in einem |
| Teachable | Komplettplattform | ab 39 US-Dollar pro Monat (bei Jahreszahlung 29) | günstiger Einstieg, 7,5 % Transaktionsgebühr im kleinsten Tarif |
| Thinkific | Komplettplattform | ab 109 US-Dollar pro Monat (bei Jahreszahlung 82) | unbegrenzt viele Kurse schon im Einstiegstarif |
| Podia | Komplettplattform | ab 42 US-Dollar pro Monat (bei Jahreszahlung) | Kurse, Downloads, Community, E-Mail |
| systeme.io | Komplettplattform | Gratis-Tarif, danach ab 17 US-Dollar pro Monat | keine Transaktionsgebühren |
| LearnDash | WordPress-Plugin | 350 US-Dollar pro Jahr für eine Website | sehr umfangreich, großer Funktionsumfang |
| LifterLMS | WordPress-Plugin | Kern kostenlos, Erweiterungen ab 199 US-Dollar im ersten Jahr | solide Kernversion ohne Kosten |
| Tutor LMS | WordPress-Plugin | Kern kostenlos, Pro ab 199 US-Dollar pro Jahr | über 100.000 aktive Installationen |
| CopeCart | Verkaufsplattform | 4,9 % + 1 Euro pro Verkauf | Merchant of Record, Steuerabwicklung in Europa |
| Digistore24 | Verkaufsplattform | 7,9 % + 1 Euro pro Verkauf | tritt als Verkäufer auf, Affiliate-Markt |
Alle Preise ohne Gewähr. Einige Anbieter zeigen Einführungs- oder Jahrespreise, und die Beträge in US-Dollar können in Euro anders ausfallen, zuzüglich Mehrwertsteuer. Die aktuellen Preise stehen immer auf der Herstellerseite.
Komplettplattformen: wenig Technik, laufende Kosten
Kajabi
Kajabi ist die teuerste Lösung hier, bündelt dafür fast alles: Kurse, Verkaufsseiten, E-Mail-Marketing, Community und Automationen. Der Basic-Tarif umfasst fünf Produkte und 2.500 Kontakte, der Growth-Tarif (249 US-Dollar pro Monat) 50 Produkte und 25.000 Kontakte. Kajabi behält keinen Umsatzanteil; es fallen die Gebühren des Zahlungsanbieters an. Kajabi Payments gibt es laut Hilfeseite auch für in Deutschland registrierte Unternehmen. Die deutsche Spracheinstellung übersetzt nur automatisch erzeugte Texte wie Checkout und Kundenkonto, eigene Texte übersetzt du selbst.
Passt zu: dir, wenn du Kurse, Newsletter und Verkaufsseiten aus einer Hand willst und das Budget hast.
Teachable
Teachable startet mit 39 US-Dollar im Monat, nimmt im kleinsten Tarif aber 7,5 % Transaktionsgebühr. Ab dem Builder-Tarif (89 US-Dollar pro Monat) entfällt sie. Laut Preisseite sind „globale Zahlungen und Steuern“ in allen Tarifen enthalten. Ältere Teachable-Beiträge beschreiben, dass Teachable die EU-Umsatzsteuer bei Nutzung der eigenen Zahlungswege einzieht und über OSS abführt. Frag vor dem Start beim Support nach, wie das heute für dich als Anbieter aus Deutschland gilt. Die Schüleroberfläche gibt es auf Deutsch, die Bedienung für dich bleibt englisch.
Passt zu: Einsteigern, die wenig Technik wollen und Umsatzsteuer möglichst abgeben möchten.
Thinkific
Thinkific bietet schon im Start-Tarif (109 US-Dollar pro Monat) unbegrenzt viele Kurse, Quizze, Zertifikate, Mitgliedschaften und eine eigene Domain. Das Thinkific-Branding entfernst du erst im Grow-Tarif. Auf der Preisseite sehe ich keinen Gratis-Tarif, nur eine Testphase. Deutsch gibt es als Seitensprache, die Steuerlösung deckt laut Hersteller auch die EU ab.
Passt zu: Kursanbietern mit vielen Kursen, die nicht pro Kurs zahlen wollen.
Podia und systeme.io
Podia (ab 42 US-Dollar pro Monat bei Jahreszahlung) verkauft Kurse, Downloads, Coaching und Community; im Mover-Tarif bleiben 5 % Gebühren. systeme.io hat einen dauerhaft kostenlosen Tarif mit einem Kurs und bis zu 500 Schülern, danach kostet Startup 17 US-Dollar pro Monat. Der Hersteller wirbt mit null Prozent Transaktionsgebühren. Für kleine Budgets ist das der günstigste Einstieg. Zahlungen laufen über Stripe oder PayPal; die Umsatzsteuer musst du dort selbst im Griff haben.
WordPress-Plugins: Kontrolle gegen Eigenarbeit
Hast du schon eine WordPress-Seite, liegt ein Kurs-Plugin nahe. Dann gehört alles dir: Design, Domain, Daten. Dafür brauchst du Hosting, Updates, Backups und einen Weg für die Bezahlung.
LearnDash
LearnDash ist der Branchenführer unter den WordPress-Kursplugins. Es bringt Quizze mit acht Fragetypen, Zertifikate, Gruppenverkäufe und Mitgliedschaften mit. Die Lizenz für eine Website kostet 350 US-Dollar pro Jahr. Bezahlt wird laut Herstellerseite über Stripe und PayPal, mit WooCommerce lassen sich weitere Zahlungsarten anbinden.
Tutor LMS und LifterLMS
Beide haben eine kostenlose Kernversion. Tutor LMS läuft laut wordpress.org auf über 100.000 Seiten (Bewertung 4,4 von 5), LifterLMS auf über 10.000 (4,8 von 5). Beide wurden im Oktober 2026 aktualisiert und sind mit WordPress 7.1 getestet. Wer sparen will, startet hier. Sensei LMS ist ebenfalls kostenlos, hat aber nur 9.000 Installationen und eine Bewertung von 3,5 von 5 bei 40 Stimmen.
Sparen musst du allerdings an anderer Stelle: Du pflegst Plugin-Konflikte, Rechtstexte und die Zahlungsabwicklung selbst.
Deutsche Verkaufsplattformen: Bezahlung und Steuer abgeben
Wenn dich vor allem die Umsatzsteuer nervt, lohnt ein Blick auf drei Anbieter aus dem deutschen Markt:
- CopeCart: keine monatlichen Gebühren, laut Hilfeseite 4,9 % + 1 Euro pro Verkauf (bei Klarna 6,99 % + 1 Euro). Der Anbieter beschreibt sich als Merchant of Record und übernimmt die Steuerabwicklung in Europa.
- Digistore24: 7,9 % vom Bruttopreis + 1 Euro pro Transaktion. Digistore24 arbeitet über Reseller-Gesellschaften und kümmert sich um Rechnungen und Steuern. Für Produkte mit hohem Preis gelten niedrigere Sätze. Bekannt ist die Plattform für ihren Affiliate-Markt.
- ablefy (früher elopage): Die Gebühren hängen vom Umsatz der letzten zwölf Monate ab, plus 0,50 Euro pro Transaktion. Laut Anbieter gibt es ein Reseller-Modell, bei dem ablefy Zahlung, Steuern und Rechnungen übernimmt.
Rechenbeispiel: Bei einem Kurs für 100 Euro brutto bleiben bei CopeCart rund 5,90 Euro Gebühr hängen, bei Digistore24 8,90 Euro. Das ist mehr als bei Stripe, dafür sparst du dir Buchhaltung und OSS-Meldung. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie viel deine Zeit wert ist.
Meine Empfehlung
- Du startest klein und willst testen: systeme.io im Gratis-Tarif oder Teachable Starter. Wenn du in Deutschland bleibst, kannst du die Steuer auch selbst machen.
- Du verkaufst viel in die EU und willst nichts mit Umsatzsteuer zu tun haben: CopeCart oder ablefy für die Abwicklung, dazu ein Kursportal deiner Wahl.
- Du hast schon eine WordPress-Seite: Tutor LMS oder LifterLMS zum Start, LearnDash, wenn du viel Funktionsumfang brauchst.
- Du willst alles aus einer Hand und hast Budget: Kajabi oder Thinkific.
Häufige Fragen
Brauche ich für Onlinekurse eine eigene Website?
Nein. Die Komplettplattformen liefern eine Verkaufsseite mit. Eine eigene Website lohnt sich, wenn du über Google gefunden werden willst.
Wie viel kostet der Start mindestens?
Mit systeme.io oder einem kostenlosen WordPress-Plugin kannst du ohne Plattformgebühr starten. Es fallen trotzdem Gebühren des Zahlungsanbieters an.
Muss ich die Umsatzsteuer selbst melden?
Das hängt vom Anbieter ab. Verkaufsplattformen wie CopeCart treten als Merchant of Record auf, bei Stripe und PayPal bist du selbst verantwortlich. Frag deinen Steuerberater.