Es gibt Dutzende Shop-Systeme, und fast jedes verspricht, dein Geschäft „in Minuten“ online zu bringen. In Deutschland entscheidet am Ende aber etwas anderes: Wie gut kommst du mit dem Recht zurecht, wie bezahlen deine Kunden, und was kostet das System, wenn der Shop wächst?
Ich vergleiche hier sechs Systeme, die für Händler in Deutschland infrage kommen: Shopify, WooCommerce, Shopware, JTL-Shop, Gambio und Ecwid. Am Ende steht eine Empfehlung, für wen welches passt. Wer nur wenige Produkte hat, braucht kein System für Konzerne.
Kurz zur Quelle: Zahlen stammen von den Herstellerseiten und von wordpress.org, Stand Oktober 2026. Wo ich keinen aktuellen Preis auf der Herstellerseite belegen konnte, steht kein Preis, sondern ein Hinweis. Das ist keine Rechtsberatung.
Worauf es bei deutschen Shops ankommt
- Rechtstexte und Pflichtangaben: Impressum, Widerrufsbelehrung, Datenschutz, Preisangaben mit Mehrwertsteuer, Grundpreise. Neu ist der Widerrufsbutton: Laut Industrie- und Handelskammern gilt er für Onlineshops seit dem 19. Juni 2026 (§ 356a BGB). Prüf, ob dein System das mitbringt oder du es nachrüsten musst.
- Zahlarten: PayPal, Kreditkarte, Lastschrift, Kauf auf Rechnung und Ratenkauf wie Klarna. Gerade Rechnungskauf erwarten viele Deutsche.
- Datenschutz und Standort: Du brauchst einen AV-Vertrag mit dem Anbieter. Wo die Daten liegen, gehört in deine Datenschutzerklärung.
- Umsatzsteuer: Preise für Privatkunden sind Bruttopreise. Ein System muss das sauber darstellen.
Die Systeme im Überblick
| System | Art | Kosten laut Hersteller | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Shopify | Mietshop mit Seite | Basic 29 USD pro Monat bei Jahreszahlung (39 USD monatlich) | Einsteiger, die schnell starten wollen |
| WooCommerce | WordPress-Plugin | Plugin kostenlos, Hosting extra | Wer schon WordPress nutzt |
| Shopware | Software, auch als Miete | Community kostenlos, Rise ab 600 € netto im Monat | Wachsende Händler mit Entwicklern |
| JTL-Shop | Shop zur Warenwirtschaft | Hosting-Preise auf der Herstellerseite | Händler mit JTL-Wawi und Marktplätzen |
| Gambio | Cloud-Shop | Starter etwa 29 € im Monat bei Jahreszahlung (Rechenbeispiel der Seite) | Händler mit wenig Technik, die Rechtstexte dazubuchen wollen |
| Ecwid | Shop zum Einbauen | Starter 5 €, Venture ab 29 € bei Jahreszahlung | Bestehende Webseiten |
Stand: Oktober 2026. Die Preise sind nicht vergleichbar, weil manche Netto-, andere Bruttopreise nennen und Zahlungsgebühren dazukommen.
Shopify: der schnellste Start
Shopify ist ein Rundum-Paket: Shop, Seite, Kasse und Verwaltung in einem. Auf der Preisseite stehen für Basic 39 US-Dollar im Monat (29 bei Jahreszahlung), für Grow 105 (89) und für Advanced 399 (359). Zum Start bietet Shopify drei Tage gratis und danach 1 US-Dollar im Monat für drei Monate. Die Seite zeigte mir Dollar-Preise. Wie die Beträge in Deutschland erscheinen, siehst du im Bestellvorgang.
Shopify Payments gibt es laut Hilfe auch für Händler in Deutschland. Nimmst du stattdessen einen anderen Zahlungsanbieter, kommt eine zusätzliche Gebühr pro Verkauf dazu: 2 % bei Basic, 1 % bei Grow, 0,6 % bei Advanced. Für rechtliche Texte und deutsche Besonderheiten brauchst du einen Dienst oder eine App. Plane das mit ein.
WooCommerce: flexibel, wenn du WordPress magst
WooCommerce ist das Shop-Plugin für WordPress und läuft laut wordpress.org auf über 7 Millionen Seiten, zuletzt aktualisiert im Oktober 2026 und mit WordPress 7.1.4 getestet. Das Plugin selbst kostet nichts, du zahlst Hosting, Domain und die Erweiterungen, die du brauchst.
Für Deutschland ist Germanized der wichtigste Zusatz: Das Plugin ist kostenlos verfügbar (über 70.000 Installationen, 4,8 von 5 Sternen). Die Pro-Version kostet laut Vendidero 85 € pro Jahr für eine Domain, inklusive Mehrwertsteuer. Für Zahlungen gibt es offizielle Plugins für PayPal (über 800.000 Installationen) und Stripe (über 700.000). Der Preis dafür: Du kümmerst dich selbst um Updates, Backups und Sicherheit. Wie du deinen Shop-Hoster auswählst, steht in meinem Artikel über Hosting für Onlineshops.
Shopware: für Händler, die wachsen
Shopware bietet eine kostenlose Community Edition an, die du selbst betreibst. Hosting und Wartung übernimmst du dann selbst. Das Rise-Paket kostet laut Preisseite ab 600 € im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer, Evolve ab 2.400 €. Die Preise hängen vom Warenumsatz ab. Die Seite nennt keine festen Laufzeiten, du kannst jederzeit kündigen. Wer die Community Edition nutzt und mit seinen Shops über 1 Million Euro Warenwert in 365 Tagen erreicht, braucht laut Fair-Usage-Regel einen bezahlten Tarif, um Konto und Store-Zugang zu behalten.
Für einen kleinen Shop ist das zu groß. Wer Entwickler hat oder Agenturen beauftragt, bekommt ein System mit viel Spielraum.
JTL-Shop: wenn die Warenwirtschaft das Herz ist
JTL-Shop wird zusammen mit JTL-Wawi verwendet, der Warenwirtschaft desselben Herstellers. Sie tauschen Daten per Abgleich aus. JTL bietet auch Hosting für den Shop an, in der Variante „Basic | CFE“ bis 500 Artikel, in „PLUS | SE“ ohne Grenze. Es gibt keine Mindestlaufzeit, die Kündigungsfrist liegt bei zwei Wochen zum Monatsende. Die aktuellen Preise stehen im JTL-Kundencenter, ich nenne sie hier nicht.
Das lohnt sich vor allem für Händler, die ohnehin mit JTL-Wawi arbeiten.
Gambio: Cloud-Shop mit Rechtstexten
Gambio bietet Cloud-Tarife mit Hosting an. Die Tarife unterscheiden sich nach Freivolumen (500 bis 50.000 € Umsatz pro Monat) und Transaktionsgebühr (1,5 % bis 0,1 %). Als Rechenbeispiel nennt die Seite für Starter bei jährlicher Zahlung 12 mal 29 €. Rechtstexte mit Haftungsübernahme sind in allen Cloud-Tarifen optional buchbar. Gambio nennt über 200 Schnittstellen und Partner. Ob die Preise netto oder brutto sind, nennt die Seite nicht klar, prüfe das vor der Buchung.
Ecwid: der Anbau
Ecwid ist kein Shop-System im engeren Sinn, sondern ein Shop zum Einbauen in eine bestehende Seite. Starter kostet 5 € im Monat für bis zu 10 Produkte, Venture 35 € (29 € bei Jahreszahlung) für bis zu 100. Der Anbieter nennt keine Transaktionsgebühren. Gebühren deines Zahlungsanbieters kommen dazu. Mehr dazu im Vergleich von Ecwid und Shopify.
Meine Empfehlung
- Du willst schnell starten und kaum Technik pflegen: Shopify oder Gambio. Bei Gambio sind Rechtstexte als Option dabei, Shopify ist die internationale Lösung.
- Du hast schon eine WordPress-Seite oder willst alles selbst in der Hand: WooCommerce mit Germanized.
- Du hast wenige Produkte auf einer bestehenden Seite: Ecwid.
- Du nutzt bereits JTL-Wawi: JTL-Shop.
- Du hast ein größeres Geschäft und ein Entwicklerteam: Shopware.
Häufige Fragen
Welches System ist am günstigsten?
WooCommerce und Shopware Community sind kostenlos, aber du bezahlst Hosting und Arbeitszeit. Ecwid Starter ist mit 5 € im Monat der günstigste Mietpreis, allerdings nur bis 10 Produkte.
Brauche ich ein Rechtstexte-Abo?
Du brauchst rechtssichere Texte, wie du sie bekommst, ist deine Wahl. Gambio bietet sie optional, Germanized bringt eine Rechtstexte-Schnittstelle mit.
Kann ich später wechseln?
Ja, aber plane Zeit ein. Produkte, Kunden und Bestellungen lassen sich meist exportieren, die Gestaltung musst du neu bauen.
Fazit
Ein bestes System für alle gibt es nicht. Starte klein, wenn du klein bist: Shopify, Gambio oder WooCommerce reichen für die meisten Einsteiger. Kläre vor der Entscheidung die drei deutschen Punkte, nämlich Rechtstexte, Zahlarten und Datenschutz, und rechne den Preis nach dem Einführungsangebot durch.